Wissenswertes

Taiji Quan

Die Wirkung auf Körper, Geist und Seele

Kapitel 1 Entstehung und Bedeutung

Über die Entstehungsgeschichte von Taijiquan gibt es mehrere Versionen. In China bezeichnet man den daoistischen Mönch Zhang San-Feng als den mythologischen Begründer des Taiji-Quan. Von Ihm befindet sich im Tempel auf dem Berg Wudang eine Statue. Man weiß allerdings sicher, dass Chen Wanting der Gründer des Chen-Stils war und daraus nachfolgend die Stilrichtungen Yang, Wu und Su entstanden sind.

1956 wurde auf Anweisung des Ministeriums für Sport der Volksrepublik China die 24er Pekingform basierend auf den Yang-Stil entwickelt um damit die breite Masse zu erreichen. Man war außerdem davon ausgegangen, dass z. B. Europäer
nicht in der Lage wären die lange Yang-Stil Form (108 Folgen) zu erlernen. Taijiquan zählt zu den 3 Inneren Systemen Chinas, d.h. sie sind in China entstanden und auch weiterentwickelt worden. Taijiquan ist sicher die meist verbreitete Form unter diesen 3 Inneren Systemen. Auch wenn Taijiquan hauptsächlich als Gesund- heitsübungen beschrieben werden, sollte man nicht unberücksichtigt lassen, dass Taiji in der Kampfkunst seine Wurzeln hat.

Die Grundlage ist die Philosophie von Yin und Yang, das daoistische Grundprinzip. Was bedeuten soll, am Anfang war das Nichts, der Urzustand! Daraus löste sich ein Teilchen und begann sich hin und her zu bewegen und daraus entstand wiederum Energie. (Zu dieser Erkenntnis gelangte die Physik erst im 20 Jahrhundert). Diese Energie erzeugte zwei Pole bzw. Kraftfelder, nämlich Yin und Yang. Aus diesen Polen eines Energiepotenzials, in dessen Mitte Bewegung, also Leben entstand. Die Erde, der Kosmos und dazwischen der Mensch und andere Lebewesen. Dieser Entstehungsprozess aller Dinge der Welt ist Teil des Dao, der so genannten Urkraft des Kosmos. Das Dao wirkt durch ständigen Wandel und Veränderung wie z.B. die Jahreszeiten, Tag und Nacht, Geburt Leben und Tod, der Herzschlag, die Atemzüge usw.

Je mehr ein Mensch auf seine Intuition vertrauen kann, desto leichter findet er seinen Weg im Leben, da er den natürlichen Rhythmen der Natur folgen kann. Die Chinesen nennen diese Fähigkeit Wu-Wei!
Wu-Wei bedeutet aber keinesfalls sich in sein Schicksal zu ergeben sondern viel mehr die Intelligenz natürlichem Reagieren, wodurch man Ziele leichter und ohne große Anstrengung erreicht.

So könnte man Taijiquan beschreiben. Jede dieser langsamen Bewegungen besitzt einen Gegenpol. Auf ein Heben folgt ein Senken, auf eine rückwärts Bewegung folgt eine vorwärts Bewegung, auf eine schließende Bewegung eine Öffnende. Oder während ein Arm schließt (Yin) öffnet ein Bein (Yang). Auf Energie sammeln folgt Energie ausstoßen.

Alles geschieht in einem ständigen fließenden Wechsel mit minimalem Kraftaufwand um die maximale Bewegung zu erreichen. Aus dem Aspekt der Selbstverteidigung nutzt man die Kraft des Angreifers, um ihn abzuwehren, das Weiche besiegt das Harte, Yin und Yang.

Taiji-Quan ist also eine Reihe von traditionellen chinesischen Übungen, die durch langsame Bewegungen, ruhige Atmung und Konzentration und dem philosophischen Hintergrund beschrieben werden können. Die Körperhaltung könnte man mit einer Ähre auf dem Feld beschreiben. Unten fest verwurzelt und oben weich und biegsam. Die Gelenke werden nicht arretiert, die Bewegungen sind vorwiegend bogenförmig und werden durch Beckenarbeit gesteuert. Die Grundlage der unterschiedlichen Taiji Formen bilden die 13 Grundtechniken. 8 Handbewegungen und 5 Schritttechniken.

Das Wort „Taiji“ bedeutet in erster Linie das Höchste. Was soviel bedeuten soll, wie die beste Möglichkeit der Leibesertüchtigung. Ein komplexes Übungssystem, das auf die Ganzheit des menschlichen Wesens zielt.

„Quan“ bedeutet Faust und ist die Bezeichnung für die Kampfkunst mit bloßen Händen.

Taijiquan kann man daher mit keiner unserer Sportarten vergleichen, da die Bewegungen von Leistungsdruck und Härte befreit sind. Sie wirklich gut und richtig auszuführen bedarf jedoch eine Menge Übung und Erfahrung, weshalb man sich in die Hände eines erfahrenen Lehrers begeben sollte.

Die Heilübungen regen das Energiezentrum Tan Tien an. Es liegt etwa 3 Finger breit unter dem Nabel und lässt sich mit einer Batterie vergleichen, die durch Taiji aufgeladen wird.

Die Chinesen sind davon überzeugt, das jede Krankheit gebannt wird, wenn das Energiezentrum soweit entwickelt ist, dass ein starkes Qi (Körperkraft od. Körperenergie) ungehindert im Körper fließen kann. Taijiquan hilft dabei Blockaden und Stockungen aufzulösen bzw. zu verhindern. Es gibt auch Taiji-Partnerübungen, Tuishou oder Schiebende Hände genannt. Damit fängt man am besten erst an wenn man bereits etwas Taiji Erfahrung gewonnen hat. Dabei gibt es auch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Man übt zuerst mit einer Hand und ohne Schritte und später die komplizierteren Techniken beidhändig mit Schritten.

Kapitel 2 Leistungsphysiologie

In den letzten Jahrzehnten hat Taiji im sportmedizinischen und psychologischen Bereich weltweit Beachtung erlangt.

Taiji kann in fast jedem Alter ausgeübt werden. Es sollte allerdings an die körperliche Konstitution der jeweiligen Person angepasst werden. Es gibt natürlich weit reichende Literatur über Studien aus China über die Wirkung
von Taijiquan auf Körper, Geist und Seele. Aber der Mensch glaubt meistens nur das was er sieht oder am eigenen Leib spürt, zumindest ist es meiner Erfahrung nach so in Deutschland. Deshalb gilt es diese Hürde zu nehmen und anzufangen zu üben, denn der Weg ist bekanntlich das Ziel. Wie z.B. bei einer meiner Teilnehmerinnen. Frau Waltraud G. kam vor einem Jahr in meinen Taijiquan Kurs. Nach einer Mama OP und anschließender Chemotherapie war sie fast ein Jahr nur zuhause gesessen oder gelegen. Ihre Muskulatur und ihr psychischer Zustand waren daher auf dem Nullpunkt, dazu kamen noch die Nebenwirkungen der Chemotherapie, wie z.B. Nervenschäden in den Füßen.
Beim ersten Termin musste sie sich bereits nach 5 Minuten hinsetzen, weil sie nicht mehr stehen konnte. Aber die Gruppe hat sie ermutigt trotzdem dabei zu bleiben.

Innerhalb von einem halben Jahr konnte Frau G. fast alle Folgen mitmachen und musste sich nur noch sehr selten zwischendurch ausruhen. Auch ihr psychischer Zustand stabilisierte sich zusehend. Ihre Nervenschmerzen verringerten sich und ihre Körperhaltung wurde aufrechter.

Ein altes chinesisches Sprichwort besagt, dass alle Krankheit aus der Wirbelsäule komme. Taijiquan hilft dabei, die gesamte Rückenmuskulatur zu kräftigen und eine aufrechte Haltung einzunehmen. Auch die Funktionstüchtigkeit des Nervensystems hängt unter anderem von einer geraden Rückenhaltung ab.

Der Organismus braucht Belastung und Bewegung um alle Gewebe und Organe strukturell und auf dieser Grundlage funktionell zu entwickeln und zu erhalten, sowie das ökonomische Zusammenspiel der Organsysteme zu organisieren und ständig zu sichern. Belastung und Beanspruchung sind außerdem wichtig, damit der Organismus als Ganzes während der gesamten Lebensspanne (Ontogenese), Entwicklung, gesund
und leistungsfähig wird, ist und bleibt, um so der Gebrechlichkeit als Ergebnis des physiologischen Alterungsprozesses möglichst lange zu wiederstehen.

Der Zyklus Belastung – Beanspruchung – Ermüdung – Erholung – Adaptation (die Fähigkeit eines Rezeptors sich einem Reiz anzupassen) prägt in allen Abschnitten des Lebens die strukturelle und damit die funktionelle Entwicklung und Leistungsfähigkeit des Organismus. Während der Kindheit und Jugend ist umfänglich und systematisch Belastung für die normale physische, psychisch und mentale Entwicklung essenziell. Im Zeitraum zwischen dem jugendlichen Erwachsenen bis in den Zeitabschnitt des alternden Menschen gilt es, durch Bewegung die Struktur, Funktion und damit die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität zu erhalten. Der sich danach anschließende Lebensabschnitt, < 60 Jahre, erfordert zwingend Bewegung, um den jetzt intensiver ablaufenden und sich auch klinisch immer mehr ausprägenden physiologischen Veränderungen infolge des Alterungsprozesses verzögernd entgegenzutreten.

Taijiquan zählt auch in Deutschland mittlerweile zu den wissenschaftlich anerkannten Gesundheits- und Entspannungspraktiken wie Yoga oder Autogenes Training. Die entschleunigenden Bewegungsabläufe ermöglichen es die Aufmerksamkeit in die entferntesten Körperteile zu lenken. Man nimmt Verspannungen und Verkrampf- ungen war, die sich durch regelmäßiges Üben unter professioneller Anleitung immer mehr lösen.

Moshe Feldenkreis sagte: „Ich glaube, dass die latenten Fähigkeiten eines jeden von uns beträchtlich größer sind als die, mit denen wir leben!“ Er wollte damit ausdrücken, dass unsere körperlichen und geistigen Möglichkeiten
im Alltag generell nicht optimal genutzt werden.

Taijiquan bietet eine Möglichkeit das zu ändern. Z.B. wie man sein Knie optimal und richtig beugt oder das Gewicht von einem Bein auf das Andere verlagert. Wie man sich aufrichtet oder aufsteht hängt von ganz komplexen Bewegungen ab und werden von uns oft nicht genügend wahrgenommen bzw. differenziert eingesetzt. Beim Taijiquan lernt man sich bewusst zu bewegen. Wie bereits erwähnt sind die Gelenke nicht arretiert und die Bewegungen entstehen durch Becken drehen. Hüfte und Schulter sollen übereinander in einer Achse sein. Beim Gongbu „Ausfall-Schritt“ das Knie über dem Fuß aber nicht über die Fußzehen hinausbeugen. Das Kinn ist leicht zur Brust gezogen wobei der Kopf aber aufrecht bleibt. Man kann sich vorstellen, dass man am Scheitelpunkt „Beihui“ mit einem Seidenfaden leicht nach oben gezogen wird. Der Blick nicht auf den Boden gerichtet, sondern horizontal in die Richtung in der man agiert.

Die Schritttechniken beim Taijiquan sind von größter Wichtigkeit. Denn das richtige und bewusste be- und entlasten der Füße soll sich durch das regelmäßige Üben auf
unsere Bewegung im Alltag übertragen, denn unsere Füße tragen uns im Laufe unseres Lebens mit etwa 150 Millionen Schritten, drei mal um die Erde. Bei jedem
Schritt müssen die Füße das Dreifache unseres Körpergewichts abfedern. Selbst wenn wir entspannt stehen, wie beim Taijiquan, spielen unsere Füße eine tragende Rolle. Ihre 26 Knochen, 36 Gelenke und über 100 Muskeln, Bänder und Sehnen halten den Köper im Gleichgewicht.

Kapitel 2.1 Körper und Geist

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass die Fähigkeit des Menschen, neue Informationen zu verarbeiten und sich an alte zu erinnern, mit biologischen Veränderungen im Gehirn verbessert wird, die durch körperliche Betätigung ausgelöst werden.

Neurowissenschafter John Ratey

Die Fähigkeit zu Denken steht also in direktem Zusammenhang mit Bewegung.
Dr. Paul Dennisen Pionier für Lernen durch Bewegung zählt mittlerweile zu den
international anerkannten Kapazitäten auf dem Gebiet des Erwerbs kognitiver
und schulischer Fähigkeiten. Er hat durch seine Forschungen in der Kinesiologie

(Die Lehre von Mechanik, Anatomie im Zusammenhang mit den Bewegungen des Menschen) unter anderem festgestellt, dass der Mensch bei Überforderung (Stress), Übermüdung oder Verspannung, wie zum Beispiel im Nacken-Schulterbereich eine Hemisphäre des Großhirns abschaltet. Damit geht auch oft eine Störung der Reiz-leitung von Ohr oder Auge einher. Das hat zur Folge, dass man sich schlecht
konzentrieren und nicht richtig zuhören kann und nicht abspeichern. Visuelle Ein-drücke können schlecht verarbeitet werden. Das merken wir, wenn wir einen Text lesen und danach nicht mehr wissen was wir gerade gelesen haben und den Text ein zweites Mal lesen müssen um ihn zu erfassen. Das ist sicher Jedem schon einmal widerfahren. Unser Großhirn besteht aus 2 Hälften bzw. Hemisphären, der rechten und der linken Gehirnhälfte. Die rechte Gehirnhälfte kontrolliert die linke Körperseite und die linke Gehirnhälfte kontrolliert die rechte Körperseite. Wir sind also überkreuz angelegt. Zwischen den beiden Großhirnhälften liegt das Corpus callosum auch Hirnbalken genannt. Es verbindet die beiden Hälften und besteht aus 200 Millionen Nervenfasern. Es dient zum Informationsaustausch zwischen den beiden Hälften.
Das spielt eine große Rolle, denn wenn sich nun eine Hälfte „ausruht“ kann kein
Austausch mehr stattfinden. Dennison hat herausgefunden, dass sich die ausge- schaltene Gehirnhemisphäre durch Bewegung wieder aktivieren lässt, und zwar muss die Bewegung über die so genannte Mittellinie des Körpers gehen, weil unser Körper wie bereits erwähnt überkreuz angelegt ist.
Diese Art von Bewegungen finden wir beim Taiji fast in jeder Sequenz. Ganz deutlich
bei den Wolkenhänden, aber auch bei der Mähne, dem Kranich, nach dem Weg
fragen und auf dem Pferd reiten usw. Die 24er Pekingform ist voll davon und
Integriert so die beiden Gehirnhälften und steigert somit die Konzentration, das Denk-
Vermögen und die Sinnesorgane. Durch Entspannung der Nacken- und Schulter-
muskulatur, was beim Taijiquan ein sehr wichtiger Aspekt ist, können Körper und Geist ungehindert zusammenarbeiten und es fällt dem Übenden leichter das Körper-
bewusstsein aufrechtzuerhalten.

Zu Beginn des Erlernens von Taijiquan fällt es einem oft schwer sich auf die komplexen Bewegungen mit Armen und Beinen gleichzeitig zu konzentrieren, des-
halb ist es empfehlenswert die Bewegungen erst einmal getrennt zu üben. Zuerst einmal die Schritte bzw. Beinbewegungen und dann die Hand- und Armbewe-
gungen.

Kapitel 3 Taijiquan als Meditation
Meditation aus dem lateinischen = meditatio
Was so viel wie nachdenken, nachsinnen oder überlegen heißt. Durch Achtsam-
keits- bzw. Konzentrationsübungen soll sich der Geist beruhigen und sammeln.
In fernöstlichen Kulturen gilt sie als eine grundlegende und zentrale bewußtseins-
erweiternde Übung. Je nach Tradition wird sie mit den Begriffen wie Stille, Leere oder Einssein mit dem Hier und Jetzt beschrieben.

Schulmediziner haben mittlerweile auch den Nutzen von meditativen Übungen, zu
deren Verfahren auch Taijiquan gehört, erkannt.
So haben US-Forscher kürzlich erkannt das Herz und Geist eng zusammenhängen.
Sie haben mit 200 Männern und Frauen, mit Engstellen am den Herzkranzgefäßen
eine Langzeit-Studie durchgeführt.


Die Hälfte der Patienten haben Entspannungstechniken wie Autogenes Training,
Yoga, Qigong und auch Taijiquan erlernt. Sie konnten damit nachweislich ihren Stress mindern und das Herz stärken.
Im Vergleich zu der anderen Hälfte der Probanten, die keine der Entspannungs-
techniken erlernt haben, erlitten diese Personen seltener Infarkte oder Schlaganfälle und lebten länger. Was sehr beachtlich ist da der Verlauf solcher Erkrankungen ja noch von so vielen anderen Faktoren abhängt.

Bei einer 80-jährigen herzkranken Teilnehmerin, die bei mir Einzelunterricht nahm
hatte ich folgende Idee. Sie war durch ihre Herzschwäche am Anfang nicht in der Lage Taiji im stehen auszuüben. Da man den Schüler immer dort abholt wo er gesundheitlich und konditionell gerade steht, haben wir zuerst einmal im Sitzen angefangen zu üben. Wir haben mit der Wolkenhänden begonnen da ich mich an bewährte Übungen aus der Kinesiologie erinnert habe. Dabei wurde festgestellt, dass dirigieren die Herzmuskulatur stärkt. Das macht man auch mit Patienten im Altersheim, die nicht mehr aufstehen können (Wahrscheinlich heute nicht mehr weil das Pflegepersonal für so etwas gar keine Zeit mehr hat). Also habe ich mit der Teilnehmerin im sitzen die Wolkenhände geübt. Sie hat fleißig zu hause weiter geübt. und war schon nach kurzer Zeit tagsüber nicht mehr so müde konnte wieder kurze Stecken laufen und wir konnten unser Übungsprogramm zusehends erweitern. Damals wusste ich von dieser Studie noch nichts aber meistens ist einfach weniger, mehr. Das trifft grundsätzlich für effizientes Üben zu. Als Anfänger sollte man zuhause lieber nur einzelne Sequenzen üben, statt viele und die möglicherweise falsch. Sollte man aus irgend einem Grund körperlich nicht in der Lage sein Taijiquan zu üben, kann man sich einfach hinsetzen oder auch hinlegen, die Augen schließen und gedanklich die Sequenzen durchlaufen.

Kapitel 4 Das Nervensystem

Wie bereits im vorherigen Kapitel erwähnt sind die körperlichen Funktionen mit dem Gehirn und unserem Nervensystem verbunden.
Taijiquan wirkt im Gehirn wie ein Jungbrunnen. Es erhöht die graue Substanz (Gebiete des Zentralen Nervensystems) in Gehirnarealen, die für Aufmerksamkeit, Konzentration und Erinnerung wichtig sind. Auf diese Weise helfen die Übungen,
jenen Zustand zu vermeiden, der als Burnout bezeichnet wird.

Taijiquan festigt nicht nur das Gehirn, sondern beeinflusst auch Lebensvorgänge im Körper. Das Immunsystem arbeitet besser, der Blutdruck sinkt, die Aktivität von Enzymen steigt. Enzyme sind für den Stoffwechsel aller Organismen unentbehrliche Eiweißkörper, Katalysatoren zur Beschleunigung von chemischen Reaktionen.

Der Einfluss von diesen Gesundheitsübungen auf den Nervus Vagus erregt das
Interesse er Forscher besonders.

Der Nervus Vagus ist Teil des Vegetativen Nervensystems.
Es besteht aus Zwei Teilen dem Sympathicus, dem Tagnerv und dem para-
sympathischen Teil der vor allem nachts oder wenn wir uns entspannen vor-
herrscht.
Das Vegetative Nervensystem auch autonomes Nervensystem genannt ist zuständig für Funktionen die nicht dem Willen unterworfen sind, wie zum Beispiel die Atmung, der Herzschlag, der Blutdruck, die Körpertemperatur und die Verdauung und steht in enger Arbeitsgemeinschaft mit dem Hormonsystem. Daher nennt man es auch

„Lebenssystem“ abgeleitet aus dem lateinischen, vegetus = lebendig. Es verläuft vom verlängerten Mark paarig neben der Wirbelsäule bis zum Steiß. Von dort aus
verzweigt es sich zu den inneren Organen und Blutgefäßen. Die Verbindung mit dem Zentralen Nervensystem wird durch den Nervus Vagus den „Umherschweifenden
Nerv“ hergestellt. Er ist Bestandteil des als Ruhenervs bezeichneten Parasympathicus, der für Beruhigung, Entspannung und Regeneration zuständig ist während dessen Gegenspieler, der Sympathicus den Organismus in Spannung versetzt, Puls und Atmung beschleunigt und für einen Adrenalinschub sorgt. So bewirkt der Vagus etwa die Verlangsamung der Herzfrequenz und kümmert sich um die Peristaltik, also die Weiterleitung der Nahrung im Verdauungssystem. Er veranlasst die Ausschüttung von Verdauungsenzymen und verengt die Bronchien.
Der lange verkannte Nerv könnte das entscheidende Bindeglied sein, das das gute Gefühl mit körperlicher Gesundheit verbindet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Vagusnerv genau die Struktur ist, die Körper und Seele miteinander verbindet. Auch
die Schulmedizin weiß, dass meditative Gesundheitsübungen die Biologie des Gehirns verändert.
Die amerikanische Psychologin Bethany Kok hat den Vagusnerv erforscht, mit dem
Ergebnis, dass meditative Übungen den Vagustonus deutlich erhöhen. Das wieder-
um ist mit guter Gesundheit verbunden und könnte zu einem längeren Leben führen.

Es ist der Geist der sich den Körper baue, schrieb Friedrich Schiller einst im „Wallenstein“. Zug um Zug erkennt die Neurowissenschaft, wie richtig der Dichter – und examinierte Arzt – damit lag.
Diese Erkenntnis befreit Taijiquan, Qigong und auch Yoga vom Ruf des Esoterischen.
An vielen Universitätskliniken, wie zu Beispiel an der Charitè in Berlin, machen
Psychologen und Ärzte sich daran, aus dem Buddhismus, Daoismus und Hinduismus stammende meditative Übungen mit der modernen Medizin zu vereinen.

Kapitel 5 Die Psyche

Aktuell gehen Experten davon aus, dass 65 % der Deutschen im Beruf überfordert
sind. Natürlich spielen Kummer, Sorgen und Krankheit auch eine schwerwiegende
Rolle das der Sympathicus überreizt wird. In Folge dessen wird zuviel „Cortisol“ aus-geschüttet. Das Hormon Cortisol hat eine große Wirkungspalette. Z.B. lässt es die
Glucose im Blut ansteigen (diabetogene Wirkung), es hemmt Entzündungszeichen
und beeinflusst so negativ die Wundheilung. Außerdem verhindert es am Abend die
Ausschüttung von Melatonin (Schlafhormon) ohne das wir nicht einschlafen können.
Wer sich häufig bewegt, darin sind sich alle Experten einig, hat die größten Chancen, nicht in der Stressfalle zu landen. Aber nicht der sportliche Anspruch der Beste oder
Schnellste zu sein führt zum Ziel. Stressabbau gelingt idealer Weise nur durch Methoden wie zum Beispiel Qigong oder Taijiquan.
Fast Jeder könnte Taiji lernen und das innere Befinden in Richtung Ruhe und Gelassenheit zu verändern, den das wirkt bei Vegetativer Dystonie besser als jede
Medizin.
Kürzlich haben mehrere Frauen und Männer mit Verspannungen, Schlafstörungen
und generalisierter Angststörung an einer Studie teilgenommen. Sie absolvierten einen achtwöchigen Kurs mit Achtsamkeitsübungen. Danach konnten sie Ihre Ängste besser beherrschen und fanden wieder mehr Schlaf.

Durch Kernspin vor und nach dem Kurs, wurde die wohltuende Veränderung im
Gehirn sichtbar. Nach den 8 Wochen Yoga, Qigong und Taiji waren Teile der vorderen Hirnrinde, das ist der Sitz sämtlicher Elemente des Bewusstseins, verstärkt durchblutet – also genau jene Areale, die für das Regulieren von Gefühlen wichtig sind! Man kann somit nachweisen, das diese meditativen Übungen die Angst ver-
treibt. Diese Studie wird demnächst in einem Fachblatt für Neurowissenschaften veröffentlicht.

Wesentliche Elemente der Heilung liegen im Menschen, sogar bei schweren
Körperlichen Erkrankungen kann er seine Genesung beeinflussen. Das Heilen
läuft über Schnittstellen zwischen Seele und Körper, das weis man aus der Ver-
haltensimmunbiologie. Die Fähigkeit zu dieser erstaunlichen Geist-Heilung ist im Hommo sapiens verdrahtet. Von Natur aus trägt jeder Mensch einen Erste-Hilfe
Kasten im Körper der auch ohne seelischen Beistand wirksam werden kann. Er
repariert Verletzungen durch nachwachsendes Gewebe, baut mit Hilfe der Leber Gifte ab, hetzt Immunzellen auf Krankheitserreger.
Das funktioniert allerdings nur wenn man vegetativ gefestigt ist durch Übungen
wie wir sie aus dem Taijiquan oder anderen bereits erwähnte Methoden kennen
mit allgemeingültigen Merkmalen. Es muss eine Technik sein, die es dem Menschen ermöglicht eine „Entspannung der Logik“ zu erreichen. Analysen und Urteile sind
reduziert. Wichtig ist auch, geistige Ruhe zu erfahren. Diesem Ziel kann man sich
durch die Konzentration beim Taijiquan auf die sehr komplexen Bewegungsabläufe
annähern. Die einzelnen Körperteile lassen sich unterschiedlich wahrnehmen.
Zum Beispiel lassen sich Hände und Füße punktgenauer wahrnehmen als andere
Körperregionen, weil sie besonders dicht mit Nerverfasern versorgt sind.

Die Länge aller Nervenfasern des menschlichen Körpers entspricht der Entfernung
Erde – Mond und zurück und verbinden Leib und Seele!

Natürlich ist Taijiquan kein Allheilmitel. Den wir Menschen sind so vielen Einflüssen ausgesetzt auf die wir keinen Einfluss haben. Außerdem spielt die Ernährung auch eine sehr wichtige Rolle was wir aus der Traditionellen Chinesischen Medizin im Zusammenhand mit den 5 Wandlungsphasen wissen.
Oder wie bereits unsere Vorfahren wussten „du bist was du isst!“
Aber Taijiquan ist ein Stück Gesundheit und eine hervorragende Möglichkeit zur Lebenspflege.
Natürlich ist es für Personen die schon viele Jahre Taijiquan üben und die positive
Wirkung erfahren haben nicht wichtig ob es wissenschaftlich nachgewiesen ist.
Aber unser System funktioniert nun einmal so. Nur wissenschaftlich nachgewiesene
Methoden werden auch anerkannt.
Deshalb kann ich nur jedem raten seinen inneren „Schweinehund“ zu überwinden
und regelmäßig Taijiquan zu üben und damit die körperliche, geistige und seelische
Gesundheit zu erhalten oder wieder zu erlangen.

Quellennachweis:

Foen Tjoeng Lie, Taijiquan Chinesisches Schattenboxen Kurze Pekingform
Barbara u. Klaus Moegling, Taiji zu zweit Partnerübungen des Taijiquan
Stuart Olsen, Das Wesen des Taiji-Quan die geheimen Trainingsdokumente der Familie Yang
Frank Amthor, Das menschliche Gehirn für Dummies
Dr. Paul E. Dennison, Befreite Bahnen
Prof. Dr. Jürgen Zulley, Die kleine Schlafschule
Dr. Klein, W. Laube, J. Schomacher, B. Voelker, Biomechanik, Bewegungslehre,
Leistungsphysiologie, Tainingslehre
Thomas O. McCracken, Atatomie, der 3D-Atlas des menschlichen Körpers
Steve Parker Kompaktatlas menschlicher Körper
Anna u. Alexandra Cavelius, Li Wu, Praxisbuch Chinesische Medizin
David Servan-Schreiber, Die Neue Medizin der Emotionen
Shahin Joharchi, Tai Chi Chuan
Gabi Lind, Qigong für alle Kampfkünste
Meister Jan Silberstorff, Das Taiji-Prinzip
Renate Sauer, Taiji im täglichen Leben